Drohnen-Windlimits: Wie viel Wind verträgt deine Drohne?
Jeder Hersteller nennt eine Zahl: „maximale Windgeschwindigkeit, 10,7 m/s“. Sie steht im Datenblatt, sie klingt nach einer Grenze, und sie wird reihum missverstanden.
Diese Zahl sagt, bis zu welchem Wind die Drohne ihre Position halten und normal fliegen kann — unter Laborbedingungen, im geraden Flug, mit vollem Akku, bei Zimmertemperatur. Sie ist keine Freigabe. Sie ist die Grenze, ab der das Gerät aufgibt.
Unten stehen die Herstellerangaben für 47 Modelle, umgerechnet in km/h und Beaufort. Davor die drei Gründe, warum du sie nicht ausreizen solltest.
Warum das Herstellerlimit nicht dein Limit ist
1. In 120 Metern weht ein anderer Wind. Deine Wetter-App nennt den Wind in 10 Metern Höhe — darauf haben sich die Wetterdienste geeinigt. Auf dem Weg nach oben fällt die Bodenreibung weg: Über bebautem Gebiet kann der Wind auf Aufnahmehöhe leicht doppelt so stark sein. Du startest bei 15 km/h und fliegst oben in 30. Mehr dazu im Wetter-Ratgeber.
2. Böen sind das, was dich erwischt, nicht der Mittelwind. Über Land liegen Böen typischerweise 30 bis 60 Prozent über dem mittleren Wind. Bei 25 km/h Mittelwind sind Spitzen um 35 bis 40 km/h normal. Das Datenblatt beschreibt den Dauerwind, nicht die Spitze.
3. Der Rückweg ist der teure. Mit dem Wind hinaus ist mühelos. Gegen den Wind zurück frisst die Drohne ein Vielfaches an Strom, und im Kalten hält der Akku ohnehin weniger. Die Reserve, die du brauchst, bemisst sich nicht am Hinweg.
Daraus ergibt sich eine Faustregel, mehr ist es nicht: plane mit rund 70 Prozent des Herstellerlimits als mittlerem Wind. Dann bleibt beim Böenzuschlag noch Reserve, und der Rückflug ist gedeckt. Die Spalte steht in der Tabelle mit dabei — als Richtwert, nicht als Herstellerangabe.
Windlimits nach Hersteller
Alle Werte sind Herstellerangaben für den mittleren Wind, umgerechnet aus m/s. Der Richtwert in der letzten Spalte sind 70 Prozent davon und stammt nicht vom Hersteller. Wo der Hersteller gar keine Windbeständigkeit veröffentlicht, steht das auch so da — statt einer geschätzten Zahl.
DJI
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| Air 2S | 595 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Air 3 | 720 g | C1 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Air 3S | 724 g | C1 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Avata | 410 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Avata 2 | 377 g | C1 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Avata 360 | 455 g | C1 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| FPV | 795 g | ohne¹ | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Flip | 249 g | C0 | 38,8 km/h (10,8 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Lito 1 | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Lito X1 | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Matrice 4T | 1219 g | C2 | 43,5 km/h (12,1 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Matrice 4TD | 1850 g | speziell | 43 km/h (11,9 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic 2 Pro | 907 g | ohne¹ | 29 km/h (8,1 m/s) | 5 | 20 km/h |
| Mavic 3 | 895 g | ohne¹ | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic 3 Classic | 895 g | C1 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic 3 Pro | 958 g | C2 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic 3T | 920 g | C2 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic 4 Pro | 1063 g | C2 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Mavic Air | 430 g | ohne¹ | 36 km/h (10 m/s) | 5 | 25 km/h |
| Mavic Air 2 | 570 g | ohne¹ | 37,8 km/h (10,5 m/s) | 5 | 26 km/h |
| Mavic Mini | 249 g | ohne¹ | 28,8 km/h (8 m/s) | 5 | 20 km/h |
| Mavic Pro | 734 g | ohne¹ | 36 km/h (10 m/s) | 5 | 25 km/h |
| Mini 2 | 249 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 2 SE | 246 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 3 | 248 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 3 Pro | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 4 Pro | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 4K | 246 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Mini 5 Pro | 249 g | C0 | 43,2 km/h (12 m/s) | 6 | 30 km/h |
| Neo | 135 g | C0 | 28,8 km/h (8 m/s) | 5 | 20 km/h |
| Neo 2 | 151 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
Antigravity
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| A1 | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
Autel ²
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| EVO II Pro V3 | 1191 g | C2 | 75,6 km/h (21 m/s) | 9 ² | 53 km/h |
| EVO Lite 640T Enterprise | 866 g | C1 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| EVO Lite+ | 835 g | C1 | 54 km/h (15 m/s) | 7 | 38 km/h |
| EVO Nano+ | 249 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
FIMI
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| X8 Mini V2 | 245 g | ohne¹ | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| X8 SE 2022 V2 | 768 g | ohne¹ | 43 km/h (11,9 m/s) | 6 | 30 km/h |
| X8 Tele | 780 g | ohne¹ | 43 km/h (11,9 m/s) | 6 | 30 km/h |
HoverAir
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| HoverAir X1 | 125 g | C0 | 28,4 km/h (7,9 m/s) | 5 | 20 km/h |
| HoverAir X1 Pro | 191 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| HoverAir X1 Pro Max | 192 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
Hubsan
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| Zino Mini Pro | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
Potensic
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| Atom | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
| Atom SE | 249 g | C0 | 38,5 km/h (10,7 m/s) | 6 | 27 km/h |
Ryze
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| Tello | 80 g | ohne¹ | keine Herstellerangabe | – | – |
V-Coptr
| Modell | Gewicht | Klasse | Windlimit | Bft | Richtwert 70 % |
|---|---|---|---|---|---|
| Falcon Mini | 249 g | C0 | 29 km/h (8,1 m/s) | 5 | 20 km/h |
¹ „ohne“ heißt: keine C-Klassen-Kennzeichnung. Diese Drohnen fallen unter die Bestandsregeln — wo du damit fliegen darfst, richtet sich nach dem Gewicht, nicht nach einem Klassenlabel. Maßgeblich ist immer der Aufkleber auf dem Gerät selbst.
² Autel gibt statt einer Geschwindigkeit eine Windstärke an („Level 8″). Die Werte hier entsprechen der Obergrenze der jeweiligen Windstärke — in der Praxis also eher optimistisch.
Beaufort, km/h und was das draußen bedeutet
| Bft | km/h | Woran du es erkennst | Für eine Drohne |
|---|---|---|---|
| 2 | 6–11 | Blätter rascheln, Wind im Gesicht spürbar | unproblematisch |
| 3 | 12–19 | Dünne Zweige bewegen sich, Wimpel strecken sich | unproblematisch |
| 4 | 20–28 | Staub und Papier wirbeln, dünne Äste bewegen sich | für leichte Drohnen die Grenze der Bequemlichkeit |
| 5 | 29–38 | Kleine Laubbäume schwanken, Schaumkronen auf Seen | sub-250-g-Drohnen kämpfen sichtbar |
| 6 | 39–49 | Dicke Äste bewegen sich, Regenschirm hält nicht | am oder über dem Limit der meisten Consumer-Modelle |
| 7 | 50–61 | Ganze Bäume in Bewegung, Gehen wird mühsam | nur schwere Geräte, und auch die ungern |
| 8 | 62–74 | Zweige brechen ab | außerhalb dessen, wofür Consumer-Drohnen gebaut sind |
Die mittlere Spalte ist nicht Folklore, sondern die ursprüngliche Beaufort-Skala — sie wurde erfunden, um Wind ohne Messgerät zu schätzen. Wenn du keinen Anemometer dabei hast, ist es immer noch die beste Methode, die du hast.
Was noch am Limit zehrt
Kälte. Unter 10 °C verliert ein LiPo-Akku spürbar Kapazität, unter 0 °C deutlich. Ein Flug, der im Sommer 20 Minuten hat, hat im Januar vielleicht 13 — und der Gegenwind auf dem Rückweg ist derselbe.
Gewicht und Zubehör. ND-Filter, Propellerschutz, eine schwerere Akkuvariante: Alles, was die Drohne träger macht, verschiebt das Limit nach unten. Der Propellerschutz ist dabei der unterschätzte Posten — er wirkt wie ein kleines Segel.
Windrichtung an Kanten. An Gebäudeecken, Waldrändern, Klippen und Dämmen entstehen Verwirbelungen und Abwinde, die im Wetterbericht nicht vorkommen. Die Küste bei auflandigem Wind und die Leeseite eines Hügels sind die beiden klassischen Stellen, an denen eine Drohne ohne Vorwarnung nach unten gedrückt wird.
Die eigene Erfahrung. Ein Pilot, der die Drohne im Wind schon einmal manuell heimgeholt hat, hat andere Reserven als jemand, der bisher nur bei Windstille geflogen ist. Das steht in keinem Datenblatt.
Den Wind vor dem Start prüfen
Hoverpoint zeigt für deinen Startpunkt kein einzelnes Windfeld, sondern ein Profil über die Höhe — Wind und Böen in mehreren Stufen bis 120 Meter, jeweils mit Richtung. Du siehst vor dem Start, ob es oben ruhiger oder rauer wird und in welcher Höhe es kippt.
Trägst du deine Drohne in den Hangar ein, kennt die App ihr Windlimit aus derselben Datenbank, aus der diese Tabelle stammt — und sagt dir für den gewählten Ort und die gewählte Zeit, ob der Wind dazu passt. Ohne dass du umrechnen musst.
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Häufige Fragen
Wie viel Wind verträgt eine Drohne?
Die meisten Consumer-Modelle geben 10,7 bis 12 m/s an, also 38 bis 43 km/h — Windstärke 6. Leichte Modelle unter 200 Gramm liegen darunter, bei etwa 28 km/h. Als Planungswert eignen sich rund 70 Prozent davon.
Wie viel Wind verträgt die DJI Mini 5 Pro?
DJI gibt 12 m/s an, also 43,2 km/h. Als mittleren Wind würde ich bei rund 30 km/h die Grenze ziehen.
Ist das Herstellerlimit eine gesetzliche Grenze?
Nein. Die EU-Drohnenverordnung nennt keine Windgrenze. Sie verlangt aber, dass du den Flug sicher durchführst und die Betriebsgrenzen des Geräts einhältst — und die Betriebsgrenze ist genau diese Herstellerangabe.
Warum weicht die Zahl in meiner App von der auf dieser Seite ab?
Manche Hersteller nennen eine Windstärke statt einer Geschwindigkeit, manche ändern die Angabe mit einem Firmware-Update. Weicht ein Wert hier ab, schreib mir — die Tabelle kommt aus derselben Datenbank wie die App.
Zählt die Böe oder der mittlere Wind?
Fürs Datenblatt der mittlere Wind, für den Absturz die Böe. Deshalb der Sicherheitsabschlag.
Darf ich bei Windstärke 5 fliegen?
Rechtlich ja. Praktisch hängt es am Modell: 29 bis 38 km/h liegen für eine 250-Gramm-Drohne knapp unter dem Limit — sie fliegt, aber sie kämpft, und die Aufnahmen zeigen es. Ein Gerät ab 900 Gramm steckt das deutlich gelassener weg.
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